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St. Laurentius Nackendorf

"Wir wissen nicht, seit wann in Nackendorf eine Kapelle steht, mit Sicherheit jedoch bereits vor dem 30jährigen Kriege (1618 - 1648), da der rechte Seitenaltar 1614 gestiftet worden ist. Während dieses Krieges hat die Kapelle wohl schweren Schaden erlitten, wurde dann aber wieder hergestellt und 1711 vom damaligen Höchstadter Pfarrer Johann Philipp Hellmuth, unter Assistenz von Pater Patritius und Pater Nikodemus aus dem Höchstadter Kapuzinerkloster, neu eingeweiht. Der Kunsthistoriker Heinrich Mayer führt als Wiedererrichtungsjahr 1742 an, der Höchstadter Heimatforscher Georg Söhnlein vermutet jedoch, dass in diesem Jahr der Chor angefügt worden ist.

In den letzten Jahren fanden 1954 und insbesondere von 1977 bis 1979 gründliche Renovierungsarbeiten statt. Größere Umbauten gab es auch 1921. Damals wurde der Turm und die Sakristei errichtet. Bei den letzten Maßnahmen wurde der Dachstuhl des Kirchenschiffes völlig neu errichtet, das ganze Dach neu gedeckt und die Kapelle mit einer Blitzschutzanlage versehen. Weiter wurde ein freundlicher Außenputz angelegt. Das Innere wurde, einschließlich der Altäre und Figuren, völlig überholt. Zudem baute man noch eine Heizung und ein elektrisches Geläute ein. Diese Arbeiten kosteten 11.000,-- DM, wozu das Ordinariat in Bamberg 7.000,-- DM beisteuerte. Die Leitung der Restaurierung hatte Architekt Spangel vom Erzb. Bauamt in Bamberg. Die Kapelle ist Eigentum des Kapellenvereins Nackendorf e.V., Kirchenpatron ist der hl. Laurentius. In den zurückliegenden Jahren erneuerten die Nackendorfer Einwohner Ihre Kapelle immer wieder in Eigenleistung.

Die Innenausstattung ist für eine kleine Dorfkapelle von überraschend hohem künstlerischen Wert. Der Hochaltar hat barocken Architekturaufbau mit gedrehten Säulen und Knorbelwerk. Das Altarbild stellt die Armen Seelen dar. Die Bekrönung ist das Wappen des Vogtes Hermann von Lauter. Dieser dürfte auch den Altar gestiftet haben, denn bei der letzten Restaurierung fand sich auf der Rückseite des Wappens, laut Mitteilung von Georg Kupfer, Nackendorf, eine Inschrift: H. V. Lauter, Vogt zu Höchstadt A.D. 1684. Das kleine rechte Spätrenaissancealtärchen stellt auf seinem Altarblatt die Auferweckung des Lazarus und die Stifterfamilie Kremer (1614) dar. Darüber ist ein Maria-Hilf-Bild angebracht.

Der linke Altar ist eine spätgotische Madonna mit Jesuskind im Strahlenkranz. Die Madonna ist voll herber-mütterlicher Schönheit. Mit ihrer linken Hand drückt sie das Jesuskind an sich, mit der rechten hält sie ein Zepter. Der Strahlenkranz selbst ist neueren Datums. Die barocke Vespergruppe unter einem Baldachin (Kriegerdenkmal) an der linken Chorseite hat der Bamberger Hofbildhauer Johann Bernhard Kamm (04.02.1736 - 10.03.1816) geschaffen.

Links und rechts an den Wänden des Seitenschiffes befinden sich vier wunderschöne spätgotische Statuetten. Rechts St. Laurentius der Kirchenpatron und St. Ottilia; links Anna Selbtritt und eine Madonna mit Kind. Karl Sitzmann rechnet die Madonna, Laurentius und Ottilia dem Einflussbereich Tilmann Riemenschneiders zu.

Seit wann genau Nackendorf zur Pfarrei Höchstadt gehört ist bislang nicht ermittelt. Aber bereits 1379 stiftet eine Gerhaus Hopfnerin der Kirche von Höchstadt "ihr Gut zu Nackendorf zu einem Jahrestag für sich, ihren Ehemann und ihre Nachkommen und zur Anschaffung von Messoblaten; von 5 Morgen Acker, auch zu Nackendorf gelegen, soll alle Nacht ein Immerlicht vor unseres Herren Leichnam brennen." 1391 machte sie eine weitere Stiftung. Bestrebungen der Nackendorfer in die Pfarrei Etzelskirchen eingegliedert zu werden, wurden 1745 von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn abschlägig beschieden.

An dieser Stelle darf auch an den am 02.10.1862 in Nackendorf geborenen Johann Dürrbeck erinnert werden. Am 07.08.1887 zum Priester geweiht, wirkte er lange Jahre segensreich in unserem Bistum, allein 15 Jahre in Ebrach. Hochgeachtet und geehrt starb er am 06.05.1935 in Bamberg als Domkapitular und Päpstlicher Hausprälat.

Der Ort Nackendorf selbst wird 1313 als Nackendof erstmals im Bamberger Burghutsregister erwähnt. Die Besitzrechte über dieses kleine Kettendorf waren frühzeitig aufgeteilt. Besitzrechte am Ort hatte das Kloster St. Theodor in Bamberg, die Edlen von Nackendorf, die Zoller von Brand (1547) und seit 1597 die Schlüsselfelder zu Nürnberg. Letztere hatten 1612 hier ein Schlösslein und sieben Lehensgüter. Nach Erlöschen ihres Geschlechts ging ihr Besitz auf das Hochstift Bamberg (1710) über. Im Jahre 1802 kam Nackendorf zu Bayern.

Erwähnenswert ist noch, dass nach dem 30jährigen Krieg in Nackendorf nur noch ein einziger Mann, ein Georg Redlein, hauste."
(Georg Söhnlein in: Pfarrgemeinde St. Georg Höchstadt a.d. Aisch, Festschrift zur Altarweihe 1987, Seite 35 - 37)

Im Jahre 1995 erhielt die Kapelle einen kleinen Volksaltar. Nach einem Entwurf von Georg Söhnlein (Höchstadt) fertigten Schreinermeister Georg Ganzmann aus Etzelskirchen (Holzarbeiten) und Goldschmiedemeister Alois Plätzer aus Höchstadt (Relief) an. Das Kreuz auf der den Gläubigen zugewandten Seite, nimmt die Gestalt eines Rostes an, was an das Martyrium des Kapellenpatrons St. Laurentius erinnert. Ein Rubinkristall weist auf das Zentrum des Kreuzes hin und drückt den Wert des Martyriums aus. Am 12. September 1995 segnete Prälat Dr. Gerhard Boß (Domkapitular i.R.) den neuen Volksaltar.

Immer wieder restaurierten die Ortsbewohner in Absprache mit dem Erzbischöflichen Bauamt in Bamberg ihre Kapelle innen und außen.

2013 feierte Erzbischof Ludwig Schick am Maria Himmelfahrtstag (15.08.) mit einem Pontifikalamt unter freiem Himmer auf dem Sportplatz die 700-Jahr-Feier des Dorfes.

Im Juli 2018 erhielt die Kapelle eine einmanualige Truhenorgel, die sich vormals in der St. Hedwigskapelle zu Höchstadt befand.

In der Kapelle findet jeden Monat (in der Regel donnerstags) eine Heilige Messe statt. Jährlich unternehmen die Pfarreien Höchstadt und Etzelskirchen eine Bittprozession nach Nackendorf.