Nachdem in den 80er Jahren der Wunsch entstand, eine längst überfällige, vierte Pfarrei in der rund 40.000 Katholiken umfassenden Ostseestadt Swinemünde zu gründen, genehmigte 1988 die damals kommunistische Bezirksregierung den Bau eines weiteren Gotteshauses. Allerdings musste ein riesiges, abgelegenes Grundstück am südlichen Ende der Stadt teuer gekauft werden, verbunden mit der Auflage, eine überdimensionale Kirche zu bauen. Dahinter verbarg sich die Hoffnung, dass der Plan nie verwirklicht werde.
Nach 12 Jahren Bauzeit wurde ein in finanzieller wie baulicher Hinsicht völlig in Eigenleistung erbrachter Neubau am 14. Juni 2000 eingeweiht. Wer kann ermessen, was das für die Menschen dieser Pfarrei bedeutete?
Bereits seit Anfang der 90er Jahre feierte die Gemeinde des Sel. Bischofs Michael Kozal Gottesdienst in der „Notkirche“, dem heutigen Atrium-Bereich der Kirche.
Anlässlich der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen den Pfarreien Swinemünde und Höchstadt am 14.09.1997 wurde erstmals die Heilige Messe im Rohbau der Gesamtkirche zelebriert.
Seit Ende 1999 konnte das Gotteshaus nach und nach fertiggestellt werden.
Die Höchstadter St. Georgspfarrei unterstützte die Anschaffung der Glasfenster und half bei der Ausstattung des Altarraumes mit.
Die 14 Stationen des Kreuzweges stammen aus dem 19. Jahrhundert (1870 vom Bamberger Kunstmaler Adolf Riedhammer (1832-1899) gemalt) und zierten die Höchstadter Pfarrkirche St. Georg, bis sie durch den ursprünglichen Kreuzweg aus der Barockzeit wieder ausgetauscht wurden. Auf dem Dachboden des Höchstadter Pfarrhauses waren dann diese 14 Kreuzwegstationen (Nazarener Stil) gelagert und der Zahn der Zeit nagte zwecks schlechter Aufbewahrung an Bildern und Rahmen.
Anfang 1995 beschloss die Kirchenverwaltung St. Georg, den Kreuzweg restaurieren zu lassen und diesen im Juli 1995 anlässlich des 25- jährigen Priesterjubiläums von Prof. Dr. Marian Wittlieb (Stettin) der Pfarrei Swinemünde als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen.
Damit sollte symbolisch der Leidensweg der Völker Polens und Deutschlands gerade während des 2. Weltkrieges mit dem Kreuzweg Jesu Christi verbunden werden: Durch das Kreuz Jesu im gemeinsamen Glauben verbunden, kreuzten sich die Wege Swinemündes und Höchstadts. Gemeinsam getragenes, gemeinsam geteiltes und gemeinsam aufgearbeitetes Leid bringt einen neuen Anfang hervor.
Deutschland fügte Polen im zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 mit seiner Invasion unsägliches Leid zu; Polen vertrieb nach dem zweiten Weltkrieg Millionen Deutsche aus ihrer Heimat u.a. aus Oberschlesien und schlitterte von der Gottlosigkeit des Nationalsozialismus in den Atheismus der Kommunisten. Das vormals deutsche Swinemündewurde wurde 1945 bombardiert und komplett zerstört. Zwangsumsiedlungen aus Ostpolen verursachten neues Leid und Identifikationsprobleme.
Im Juni des Heiligen Jahres 2000 konnte durch den Besuch von 200 Personen aus Höchstadt und Umgebung anlässlich der Kircheneinweihung in Swinemünde zum Ausdruck kommen, was aus den Begegnungen erwachsen soll:
„Viele kleine Leute, in vielen kleinen Orten,
mit vielen kleinen Schritten
können das Gesicht der Welt verändern!“
(geistliches Kinderlied)